Nach § 36 Hessisches Hochschulgesetz (HHG) und § 3 Grundordnung der Philipps-Universität (GrundO) berät der Senat in Angelegenheiten von Forschung, Lehre und Studium, die für die Universität von grundsätzlicher Bedeutung sind. Er hat ein Initiativrecht und überwacht die Geschäftsführung des Präsidiums.

Eine Auflistung der Aufgaben sowie der aktuellen Zusammensetzung findet ihr hier.

Generell besteht der Senat aus 17 Mitgliedern. Hierbei werden neun Mitglieder von den rund 370 Professor*innen, drei von den rund 24300 Student*innen, drei von den rund 1800 wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen und weitere zwei von den rund 1800 administrativ-technischen Mitarbeiter*innen gewählt. Aktuelle Zahlen findest du hier.

Das höchste Gremium der Universität wird also von einer Mehrheit aus Professor*innen dominiert.

Würdigung von Altnazis - Teil 2

Was bisher geschah

Wir hatten über die weiterhin bestehenden Ehrungen der Universität Marburg bereits an anderer Stelle berichtet.

Wir verlangen von der Universität, dass sie ihre NS-Vergangenheit lückenlos aufarbeitet und eine kritische Erinnerungskultur betreibt.

Nachdem sich das Student*innenparlament einstimmig für eine kritische Aufarbeitung stark gemacht hatte, war das Thema am 30. März auch im Senat auf der Tagesordnung.

 

In der Zwischenzeit

Nach unserem ersten Post wurde an uns herangetragen, dass es auch Altnaziwürdigungen beim Studentenwerk (sic!) gibt. Auf dem Schlossberg ist ein Wohnheim nach Carl Duisburg benannt. Der IG-Farben Aufsichtsratsvorsitzende war dabei keine „ambivalente Persönlichkeit“, wie das Studentenwerk schreibt, sondern Unterstützer von Zwangsrekrutierung und dem Einsatz von Giftgas als Kampfstoff.

Nicht ohne Grund wurde Duisburg als Namensgeber bereits in einigen Städten entlassen.

Was die Uni Marburg mit der Rodung des Dannis zu tun hat

Seit Wochen und Monaten betreibt die Initiative/Internetseite JA49 aggressives Lobbying für die Rodung des Danneröder Forstes und Herrenwaldes. Im Impressum der Internetseite wird die Regionalmanagement Mittelhessen GmbH aufgeführt. Ein Blick auf die Internetseite der GmbH zeigt, dass diese sich gegen eine nachhaltige Verkehrspolitik einsetzt. So ist beispielsweise ein ganzer Arbeitskreis dem Thema A49 gewidmet, der sich deutlich pro Rodung ausspricht.

Gesellschafter*innen der Regionalmanagement Mittelhessen GmbH sind neben regionalen Industrie-, Handels und Handwerkskammer, die Landkreise sowie Städte der Region und die Philipps-Universität Marburg.

Auf der Senatssitzung am 30.09.2020 wurde das Präsidium der Uni Marburg gefragt, wie sie zur Rodung der Wälder steht. Die Präsidentin der Universität, Prof.in Dr.in Krause, meint, dass die Universität keine Meinung zu dem Thema hat beziehungsweise haben sollte. Sie unterstützt die skizzierte Arbeit der GmbH allerdings finanziell und inhaltlich, wie alle Gesellschafter*innen und ist deshalb defacto nicht neutral in der Angelegenheit, sondern unterstützt die Rodung. Hier fing Prof.in Dr.in Krause an mit Verweis auf die größeren Gesellschafter*innen (z.B. Stadt Marburg, Landkreis) den Fragen auszuweichen.

Wir hätten uns bezüglich der Rodungen eine klarere Positionierung der Universität gewünscht. Zwar ist die Universität in ein komplexes Politikgeflecht eingebettet, von dem sie strukturell abhängig ist. Als Sprachrohr der Wissenschaft kann hier aber mehr erwartet werden. Die Folgen der Rodung sowie des Baus der Autobahn sind hinlänglich bekannt und sollten für eine Institution der Wissenschaft stärker wiegen, als Wirtschaftsinteressen einiger wenigen.

 

#dannibleibt #keinea49

Ergebnisse der Senatswahl 2020

Liebe Wähler*innen, liebe Alle*,

danke für Eure Stimme! Auch in diesem Jahr haben wir einen Sitz im Senat der Uni Marburg bekommen. Darüber hinaus sind wir, gesehen an den absoluten Stimmen, die einzige Hochschulgruppe mit einem Zuwachs (+ 13 Stimmen ;-) ) im Vergleich zum vorherigen Jahr. Wir werden den Sitz nutzen, um weiterhin für eine solidarische, nachhaltige, antirassistische und antisexistische Universität fernab jeglicher Verwertungslogiken zu streiten.

Doch ein bitterer Beigeschmack bleibt. Bei einer Wahlbeteiligung von 10,66% (-1,8%) ist nur bedingt von einem Erfolg zu sprechen. Die durch die Einführung der Online-Wahlen erhoffte Steigerung der Wahlbeteiligung blieb also aus. Die Mobilisierung der Marburger Student*innenschaft für ihre eigenen Belange lässt zu Wünschen übrig. Die Vermutung liegt nahe, dass viele die Wahlen gar nicht erst mitbekommen haben, da der Aufruf für die Studierenden lediglich per E-Mail kam. Bei allen anderen universitären Statusgruppen, kam die Wahlbenachrichtigung sowohl per Mail als auch per Post (Professor*innen, wiss. und techn.-admin. Mitarbeiter*innen). Hier wurde eine höhere Wahlbeteiligung registriert (+4,9%, +5,5% und +5,9%). Das Präsidium meint, Probleme in der Verfassten Student*innenschaft seien hier ausschlaggebend. Fraglich bleibt also, ob hier die unterschiedlichen Aufrufverfahren nicht auch mit zur Beurteilung gezogen werden müssten.

Des Weiteren meinen wir als SDS, dass die Universität statt nur mit zwei Rundmails zur Wahl aufzurufen, prominent für eine demokratosche Mitbestimmung auf der Internetseite und in den Universitätsgebäuden hätte werben müssen.

Die Ergebnisse en détail gibt es hier nachzulesen.

Präsidium der Marburger Uni hält an unsolidarischer Einzelfallprüfung fest

Während die Universität in Frankfurt am Main bereits letzte Woche ein allgemeines Ausnahmesemester ausgerufen hat, dass durch verschiedene Maßnahmen ein Studium ohne Zwang ermöglichen soll, versteckt sich das Präsidium der Marburger Universität weiterhin hinter einer unübersichtlichen FAQ-Seite und einer komplizierten Einzelfallprüfung. Student*innen und Mitarbeiter*innen, die durch Corona in prekäre Lage geraten sind, wird durch eine lange Einzelfallprüfung nicht geholfen. Auf der letzten Sitzung des Senats der Marburger Universität, am 01. April, stellte Vizepräsidentin Korn sogar fest, dass die Marburger Universität im kommenden Sommersemester "einige Student*innen verlieren" wird, weil sie beispielsweise zuhause keine Online-Infrastruktur besitzen oder aus anderweitigen Gründen nicht am kommenden Semester teilnehmen können. Das ist nicht nur grob unsolidarisch, sondern völlig unverständlich.

Wir werden in den kommenden Tagen und Wochen weiter auf das Präsidium einwirken und versuchen ein Ausnahme-/Nicht-/Solidarsemester zu erwirken. Um ein Bild von dem Ausmaß der Prekarität zu bekommen, hat der AStA Marburg eine kleine Umfrage erstellt, die versucht Informationen genau darüber einzuholen. Eine breite Ablehnung der derzeitigen Vorgehensweise könnte den nötigen Druck bringen und das Präsidium überzeugen ihren Kurs zu ändern.