Unser Programm zur Wahl des Senats und Student*innenparlaments der Uni Marburg 2022.

Bevor wir uns den neuen Ideen und Plänen für die kommende Legislatur widmen, wollen wir kurz das vergangene Jahr reflektieren. 

Unsere Arbeit im StuPa:

Im StuPa Vorstand: Wir sind mit drei Menschen im StuPa-Vorstand vertreten. Der StuPa-Vorstand organisiert unter anderem die Sitzungen. Er kommuniziert und koordiniert aber auch vieles mit der Universitätsverwaltung.In den Ausschüssen: Wir sind mit jeweils einer Person im Wahlausschuss, im Härtefallausschuss und im Rechnungsprüfungsausschuss vertreten.Als Parlamentarier*innen: Wir nehmen unsere Aufgabe als gewählte Vertreter*innen der Studischaft sehr ernst und konnten schon viele Anträge umsetzen, zum Beispiel die kostenlosen Menstruationsprodukte. Über das Parlament können wir wichtige studentische Themen innerhalb der Universität auf die Agenda setzen.

Unsere Arbeit im AStA:

Durch die Pandemie war der AStA lange gelähmt und litt unter Personalmangel. Das konnten wir zum Glück ändern!Für die aktuell laufende Legislatur stellen wir jeweils eine Person vom Allgemeinen Vorstand des AStAs sowie dem Finanzvorstand.
Außerdem betreuen wir das Referat für Geschlechterpolitik und das Referat für besondere Angelegenheiten. Ein gut besetzter AStA bedeutet für euch Ansprechpersonen zu haben, falls ihr eine Party veranstalten wollt oder falls ihr andere Aktionen plant. Nur so kann buntes studentisches Leben stattfinden.
Der AStA ist außerdem die Schnittstelle zwischen der Studischaft und dem Universitäts-Präsidium.

Unsere Arbeit im Senat:

Wir durften im letzten Jahr zwei Plätze der studentischen Vertretung im Senat besetzen. Der Senat ist das höchste Gremium der Universität und entscheidet beispielsweise über die Besetzung von Professuren. Der Senat wählt zudem das Präsidium. Bei der Wahl der neuen Vizepräsident*innen haben wir immer wieder auf die studentischen Interessen hingewiesen. Durch einen Antrag konnten wir erwirken, dass studentische Mitglieder in Gremien nun eine Aufwandsentschädigung erhalten. Darüber hinaus haben wir gemeinsam mit den Frauen- und Gleichstellungs-beauftragten für eine kritische Aufarbeitung der Ehrungen von Mitgliedern mit Nazi-Vergangenheit gekämpft.

Wir konnten insgesamt viel erreichen und einige spürbare Veränderungen anregen. Das wollen wir gerne weiterführen. Wir wollen aber auch neue Schwerpunkte setzen.

Antirassismus:

Rassistische Strukturen sind überall um uns herum und so auch an unserer Universität zu finden. Wir wollen diese immer wieder sichtbar machen und klar benennen. Um rassistische Strukturen zu zerschlagen, werden wir sie immer wieder angreifen. Dazu gehört eine kritische Auseinandersetzung mit den Präparaten aus der sogenannten "Rassenschädelsammlung". Die Sammlung ist aus machthierarchischen, kolonialen und rassistischen Kontexten entstanden und muss rückgeführt werden. 

Wir setzen uns dafür ein, dass Menschen egal welcher Herkunft, Religion oder welchen Aussehens die gleichen Möglichkeiten bekommen. Der Bund, das Land Hessen und die Universität erleichtern es geflüchteten ukrainischen Student*innen an unserer Universität weiter zu studieren. Das finden wir toll. Doch wir fordern diese Möglichkeit für alle Geflüchteten. Dafür sollen mehr Dolmetscher*innen sowie Buddy-Programme eingesetzt werden, um den Einstieg in die Hochschule und auch den Start in Deutschland zu erleichtern. Wir fordern Bildungsgerechtigkeit für alle Menschen! 
Konkret kämpfen wir für mehr Unterstützungsangebote für Geflüchtete, die studieren wollen. Außerdem fordern wir die Rückführung der Präparate aus der "Rassenschädelsammlung" medizinhistorisch-anatomischen Sammlung.
 
Feminismus:
Im Sommersemester 2022 ist durch unsere Initiative das Pilotprojekt PERIOD. gestartet. An vier Standorten gibt es nun kostenfreie Menstruationsprodukte. Weil bei ca. 12.000 potentiell menstruierenden Personen vier Spender aber lange nicht ausreichen, wollen wir dieses Projekt ausweiten und weitere Standorte hinzufügen. Gleiches gilt für die All-Gender-Toiletten, die es bereits in einigen Gebäuden gibt. Auch hier wollen wir das Angebot ausweiten.
Langfristig setzen wir uns dafür ein, dass die Lehrpläne an allen Fachbereichen antipatriarchal gestaltet werden. Das heißt zum Beispiel, dass im Medizinstudium über Schwangerschaftsabbrüche verpflichtend gelehrt wird. Oder, dass Literaturlisten kritisch auf ihren Anteil an FLINTA*-Autor*innen geprüft werden. Damit einher geht der stetige Einsatz für einen größeren FLINTA*-Anteil der Professuren.
Konkret wollen wir mehr Standorte für Menstuationsproduktspender sowie mehr All-Gender-Toiletten.
 
Antiableismus:
Man wird immer übergangen - außer am Anfang des Semesters, wenn man auf einmal allen Dozent*innen tausende Fragen zum eigenen Körper oder zur eigenen Vergangenheit beantworten soll. Dennoch erinnert sich in der Klausurphase dann wieder niemand an irgendwas davon.
Wer einen sogenannten "Nachteilsausgleich" erhält, wird wissen, wovon die Rede ist. Trotz der Existenz einer zentralen Stelle an der Uni, welche die "Nachteilsausgleiche" aushandelt und ausstellt, liegt es momentan allein in der Verantwortung der betroffenen Personen darüber zu informieren. Wir fordern deshalb ein uniweites, einheitliches System, mit dem jede*r direkt bei der Anmeldung zu Veranstaltungen und Prüfungen die Möglichkeit hat, den "Nachteilsausgleich" und weitere relevante Anmerkungen unkompliziert, aber vertraulich, den Dozent*innen zukommen zu lassen.
Die Universität Marburg hat den Anspruch an sich selbst, inklusiv für alle Menschen zu sein. Für uns steht fest, dass das in einem prüfungs- und leistungsorientierten System nicht möglich ist. Dennoch, oder gerade deshalb, muss Ableismus überall konsequent bekämpft werden.
Konkret: Es braucht eine bessere Lösung für den Umgang mit dem "Nachteilsausgleich".
Alle Betroffenen müssen ernst genommen werden - wir wissen schließlich am Besten, was wir brauchen!
Ableismus beschreibt eine Form der Diskriminierung, bei der davon ausgegangen wird, dass Nichtbehinderte die Norm darstellen. Dies ist behindertenfeindlich, da Behinderte und chronisch Kranke dadurch systematisch abgewertet werden.
 
Antifaschismus:
Als antifaschistischer Studierendenverband fordern wir, dass sich die Philipps-Universität kritisch mit ihrer faschistischen Vergangenheit auseinandersetzt.
Noch immer werden Altnazis an der Philipps-Universität und in Marburg durch Ehrentitel, Straßen- oder Platznamen gewürdigt.
Im Senat haben wir bereits erreicht, dass die Aufarbeitung von Ehrungen mit Nazi-Vergangenheit weiter geführt wird. Das notwendige Ziel ist es, diese Ergebnisse zu veröffentlichen und gegebenenfalls Würdigungen zu entziehen, die Umbenennung von Straßen- und Platznamen anzuregen und diese kritisch einzuordnen.
Um den Menschen, die Opfer des Nationalsozialismus geworden sind, gerecht zu werden, muss Marburg zu einem Ort werden, an dem den Personen, die diese Ideologien befürworten oder befürwortet haben, keine Anerkennung mehr zugesprochen wird.
Für uns bedeutet das auch - patriarchalen und rechten Strukturen darf kein Platz geboten werden. Das heißt, Burschenschaften raus aus der Universität, denn die Universität hat die Verantwortung, gerade Erstsemester*innen vor der sogenannten „Fuchsjagd“ zu warnen.
Kein Platz für Nazis und Burschen an der Uni; Burschenvillen zu Autonomen Zentren!
Konkret fordern wir:  Altnazis raus aus der Uni - fachbereichspezifisch Nazivergangenheit aufarbeiten sowie eine Gastprofessur zur Philipps-Universität im deutschen Faschismus.
 
Klassenfrage:
Die Lockdown-Krise der vergangenen Jahre hat uns Studierende hart getroffen – finanziell, sozial, psychisch und kulturell. Als SDS links. grün. feministisch streiten wir gemeinsam für ein Studium, dass allen gleichermaßen offen steht. Wir kämpfen dabei gegen die neoliberalen Privatisierungs- und Individualisierungs-Ideologien. Wir sehen das Studium als Grundrecht für alle und nicht als Privileg weniger. Wir wollen die permanente Unterfinanzierung des Bildungswesens, die sich an Seminaren mit unfassbar vielen Teilnehmer*innen oder maroden Gebäuden zeigt, nicht mehr einfach so hinnehmen. Wir möchten uns gemeinsam mit unseren Kommiliton*innen organisieren für den Streit um soziale Verbesserungen, für ein emanzipatorisches Studium und die Verwirklichung des Grundrechts auf Bildung. Denn dies ist eine kollektive Angelegenheit – und dafür ist jede*r von Bedeutung. Wir haben 100 Milliarden bessere Ideen, welche Projekte umgesetzt und welche Krisen bearbeitet werden können.

Immer wieder müssen wir Student*innen uns die Frage stellen, woher wir das Geld zum Leben nehmen sollen. Hast du nicht das Privileg, von Zuhause unterstützt werden zu können, so muss die Finanzierung irgendwo anders herkommen. Wie wär's mit BAföG? Wir alle wissen, das alleine reicht nicht zum Leben. Wie steht's um den Nebenjob, der das fehlende Geld am Ende des Monats auffangen soll? Neben Vollzeitstudium in Regelstudienzeit ist das kaum möglich. Aber wenigstens gesundes Essen kannst du dir doch günstig in der Mensa holen, oder? Auch das wird nun immer schwieriger, da die Mensapreise im Sommersemester 2022 angehoben wurden. Und die Marburger Mensa war im landesweiten Vergleich schon vorher teurer als andere Mensen. Ähnlich verhält es sich übrigens mit den Mietpreisen in Marburg und vor der nächsten Nebenkostenabrechnung graut es uns schon allen.
Mit diesen Problemen stehst du nicht alleine da. 100 Milliarden für die Bundeswehr sind schnell mal beschlossen, doch wo bleiben die 100 Milliarden für Bildung? Wir wollen diese Probleme nicht mehr akzeptieren! Denn ein sorgenfreies Studium im eigenen Tempo sollte allen Student*innen zustehen!
Darum fordern wir und setzen uns für ein Entlastungspaket für Student*innen mit einer Energiekostenpauschale für alle, einer Wohnpauschale für alle, günstigen Mensapreisen und kostenlosem ÖPNV.

Ökologie:
Ein Großteil von uns findet sich in Wohnsituationen wieder, in denen es nicht möglich ist, sich in einem Stück Garten zu entspannen oder dort Gemüse anzubauen. Deshalb müssen wir auf gekauftes Gemüse oder die im Sommer überfüllten Lahnwiesen zurückgreifen. Das wollen wir ändern, deshalb sollen drei Sorten selbst verwalteter Campusgärten entstehen: Gemüse, Kräuter und Wildblumen. Dafür werden geeignete Grünflächen der Uni, beispielsweise im Innenhof der Philfak, ausgewählt und je nach Möglichkeit gestaltet. Auch studentische Initiativen sollen von der Uni oder dem Stud.werk Geld beantragen können, um die Gärten zu pflegen.
Zudem wollen wir als SDS im Senat die Universität dazu auffordern, energetische Gebäudesanierungen voran zutreiben, sowie ein ökologisches Mensa-Angebot, in Kooperation mit lokalen Produzent*innen, bereitzustellen. Des Weiteren soll das Angebot an kostenlosen Trinkwasserspendern ausgeweitet werden.
Konkret wollen wir selbst verwalteten Campusgärten aufbauen. Außerdem soll das Angebot in der Mensa ökologisch-regional werden, kostenloses Trinkwasser zur Verfügung gestellt und das Angebot der Wasserspender ausgeweitet werden.
 
Zivilklausel:
Was ist eine Zivilklausel? Eine Zivilklausel ist die Selbstverpflichtung einer Uni, nur zu friedlichen Zwecken zu lehren und zu forschen. Rüstungsforschung zu verhindern sowie Transparenz für militärische Forschung einzufordern, folgt der Idee von verantwortungsvoller Wissenschaft für Frieden. Das klingt doch sinnvoll! Zivilklauseln gibt es übrigens schon an einigen Unis, z. B. in Frankfurt, Tübingen oder Oldenburg.
Wird durch eine Zivilklausel nicht die Freiheit der Forschung eingeschränkt? Eine Zivilklausel schränkt die Freiheit nicht ein, sondern bestärkt die ebenfalls laut Grundgesetz garantierte Menschenwürde. Die Wissenschaftsfreiheit selber ist ein Resultat aus den Erfahrungen des 2. Weltkrieges, um Forschung vor dem Einfluss der Rüstungsindustrie hinsichtlich der Vorbereitung künftiger Kriege zu schützen.
Konkret: Marburg braucht eine Zivilklausel!
 
Mitbestimmung:
Wir brauchen eine (Re)Demokratisierung der Universität. Diese soll von dem Verständnis der Hochschulen als öffentliche Angelegenheit ausgehen, in der die Mitglieder gleichberechtigt über die Entwicklung beraten und entscheiden.
Wir benötigen eine gleichberechtigte Teilhabe von allen Statusgruppen (Professor*-innen, Student*innen, wissenschaftliche Mitarbeiter*innen und administrativ-technisch Beschäftigte). Alle Gremien sollen gleich-berechtigt besetzt werden (=Viertelparität).
Neben der demokratischen, universitären Selbstverwaltung, muss auch die Lehre demokratisiert werden. Die Einheit von Forschung und Lehre bedeutet forschendes Lernen und lehrendes Forschen zu ermöglichen und Student*innen in aktuelle gesellschaftliche Fragen einzubinden.
Konkret: Viertelparität, also gleichberechtigte Stimmenanteile der Statusgruppen in allen universitären Gremien.