Jedes Jahr dürfen die Student*innen der Marburger Universität das Student*innenparlament wählen. Wir sind eine wählbare Hochschulgruppe, die sich den Ideen des Feminismus, Marxismus und Antifaschismus zuordnet. Für weitere Informationen klicke hier.

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) hat Gründe zusammengetragen, die dafür plädieren die eigene Stimme zu nutzen. Kurz zusammengefasst, werden vom Ausgang der Wahl unter anderem die Angebote des Student*innentickets, der kostenfreien Rechtsberatung und der Einführungswochen beeinflusst. Wir halten diese Angebote für gut und möchten sie zudem noch ausbauen.

Wenn du irgendwelche Anmerkungen hast, kannst du uns gerne in unseren wöchentlichen Treffen kennenlernen oder direkt eine E-Mail an uns schreiben.

Mehr Frauen* unter den Dozierenden

 
In der Gesellschaft, wie auch an unserer Uni sind Frauen* häufig mehr oder weniger sichtbaren Repressionen ausgesetzt: dazu gehören ökonomische Diskriminierung, unter die neben schlechterer Bezahlung bei gleicher Tätigkeit auch sogenannte "gläserne Decken" gehören. Im Alltag herrscht ein weit verbreiteter (Hetero-)Sexismus, sowie physische und psychische Gewaltausübung gegenüber Frauen* bis hin zu Normierungen des Körpers und der Psyche. An der Uni drückt sich diese patriachale Ordung vor allem in männlich dominierten formellen, wie informellen Hirachien aus. Je höher ein Posten dotiert ist, desto weniger Frauen! Feminismus bedeutet für uns damit mehr als Quotendebatten, sondern auch der Abbau von Hierachien, die letztlich Männer und Frauen* in gleicher Weise unterdrücken! Eine Uni und eine Gesellschaft in der derartige Formen der Gewaltausübung und maskuline Hierachien weiterleben ist falsch!

Eine Wissenschaft, die sich kritisch mit Herrschaftsverhältnissen auseinandersetzt

Was Wissenschaft ist und was Wissenschaft soll, steht immer wieder zur Debatte. Wir plädieren im Zuge dessen für eine Wissenschaft, die unabhängig ist von Kosten-Nutzen-Kalkulationen oder anderer Zwänge. Ihre Aufgabe ist es nicht sich zu rechnen, sodern vielmehr der gesamten Gesellschaft zu gute zu kommen. Deshalb ist es auch eine zentrale Aufgaben der Wissenschaft existierende Hierarchien in unserer Gesellschaft zu dekonstruieren und Wege aufzuzeigen, wie wir alle gemeinsam uns dieser Herrschaftsverhältnisse entledigen können. Beispiele für diese Hierachien gibt es leider zuhauf. Die verschiedenen Spielarten des Kapitalismus, das Patriachat, Rassismus, andere Formen der Diskriminierung oder (neo-)koloniale Bestrebungen sind Phänomene unserer Vergangenheit und Gegenwart, die wir gerne nicht als Teil unserer Zukunft betrachten wollen. Diese Alternativen können allerdings an einer Universität nur erdacht und realisiert werden, wenn Wissenschaft unabhängig von privaten Geldquellen agieren kann. Deshalb setzen wir uns für eine sogenannte Offene oder Öffentliche Wissenschaft ein, die auf den freien Zugang zu Wissen und mehr Bürger*innenbeteiligung setzt.

Bezahlbarer und lebenswerter Wohnraum

 
Die Stadt und die Universität sehen mit Stolz, dass die Zahl der Studierenden inzwischen ein hohes, aber stabiles Niveau erreicht hat. Das freut auch uns, denn jede*r hat ein Recht auf umfassende Bildung. Problematisch wird es, wenn Stadt, Land und StudWerk den sich geänderten Realitäten nicht gerecht werden und nicht ausreichend bezahlbaren und guten Wohnraum für alle Studierenden bereitstellen. Wer zu Anfang des Semesters schon in einer Notunterkunft übernachtet hat, kommt später entweder außerhalb des Stadtkerns oder in einem überteuerten Zimmer unter.
In der Stadtpolitik macht sich kaum eine Person Gedanken über die Wohn-­ und soziale Situation der Studierenden. Anstelle von städtischem Wohnungsbau, der auch Studierenden zu Gute kommt, werden in der Innenstadt Kongress­-/Einkaufszentren oder Parkhäuser errichtet u. günstiger Wohnraum vernichtet. Durch Wohnraumverknappung, Nebenkostenerhöhungen und Staffelmieten steigen in der Innenstadt die Wohnkosten massiv an. Studierende werden seit Jahren tendenziell an den Stadtrand gedrängt (Gentrifizierung).
Um studentisches Wohnen zu fördern, braucht es eine Wohnungsbaupolitik, die nah der Innenstadt u. Universität bezahlbaren sowie qualitativ hochwertigen Wohnraum für alle Menschen schafft. Daneben sind selbstverwaltete Projekte wie das Bettenhaus für eine lebendige studentische Wohnkultur unerlässlich u. unbedingt zu fördern.
Durch die Verankerung des SDS in der Studierendenschaft u. im Stadtparlament lassen sich Synergieeffekte nutzen, um möglichst deutlich das Interesse der Studierenden am gutem und bezahlbarem Wohnraum in die Öffentlichkeit zu tragen und Druck zu machen für mehr sozialen Wohnungsbau u. gegen schleichende Gentrifizierungsprozesse!

Ein weiterhin solidarisch finanziertes Semesterticket

Das Marburger Semesterticket mit seinem umfangreichen Gültigkeitsbereich im Nah- und Fernverkehr, sowie Fahrradverleihsystem, gewährleistet allen Studierenden Mobilität über die Grenzen Hessens hinaus. Deswegen muss es erhalten und sozial ausgewogen z.B. durch Integration von Kulturinstitutionen weiter ausgebaut werden. Wir sehen im Semesterticket eine wichtige Errungenschaft, die nicht nur Allen zugute kommt, sondern darüber hinaus Anreize schafft, die umweltfreundlichen Verkehrsmittel Bus, Bahn und Fahrrad gegenüber dem Autoverkehr zu stärken. Wir sind der festen Überzeugung, dass Verkehr in der Zukunft in viel stärkem Maße auf diese verlagert werden muss. Und dies sowohl aus sozialen, als auch aus Umweltschutzgründen. Das Semesterticket liefert dabei in Mittelhessen einen viel größeren Beitrag zu dieser Politik als irgendein anderes Instument. So ist nicht nur die PKW-Nutzug unter Studierenden seit seiner Einführung am Anfang des Jahrtausends um weit über 50 % zurückgegangen, sondern auch das Angebot des öffentlichen Verkehrs gestärkt worden. Auf diesem Weg lohnt es sich weiter zu gehen. Deswegen unterstützen wir auch den Plan zur Einführung einer Straßenbahn zwischen Innenstadt und Lahnbergen um somit die täglich ca. 20000 Pendlerfahrten in Zukunft zu vermeiden.
Das Semesterticket wird nach dem sogenannten Solidarmodell finanziert, was bedeutet, dass jede*r Studierende als Teil des Semesterbeitrages das Semesterticket mitfinanziert. Durch die Beteiligung aller an der Finanzierung wird das Ticket im Durchschnitt für jede*n günstiger. Aber wir sind uns auch der Überforderung kleiner Geldbeutel bei der solidarischen Finanzierung des Semestertickets bewusst. Aus diesem Grunde verstehen wir Solidarität in diesem Zusammenhang immer zweigleisig: Studierenden, deren finanzielle Mittel nicht ausreichen, das eigene Semesterticket zu bezahlen, steht auf unsere langjährige Initiative die Rückerstattung des Semesterticketbeitrages zu, ohne auf die Leistungen des Tickets verzichten zu müssen. Dies wird durch den solidarisch von allen Studierenden finanzierten Härtefalleuro erreicht. Damit findet eine Umverteilung zugunsten der finanziell prekarisierten Studierenden statt. Die seit Jahren wachsende Zahl an Erstattungsanträgen bestätigt die Notwendigkeit der Einführung eines solchen Instrumentariums.
Grundsätzlich befürworten wir aber einen für Alle kostenfreien und fahrscheinlosen öffentlichen Nah- und Fernverkehr, der an Daseinsvorsorge und Gemeinwohl ausgerichtet ist.
Zusammenfassend steht unser Engagement in den Bereichen Verkehr und Härtefall also unter dem Motto „Mobilität braucht Solidarität“.

Der konsequente Kampf gegen rechtes, antifeministisches und autoritäres Denken

 
Antifaschismus war und ist immer eine Notwendigkeit. Doch gerade wenn Menschen, die vor Krieg, Leid und Armut fliehen selbst zum Problem gemacht und im gesellschaftlichen Konsens als „Krise“ gesehen werden, ist es auch unsere Aufgabe als Studierende, sich dem politischen Rechtsruck entgegenzustellen. Seit Jahren kommt es zu Angriffen auf Gefüchtetenheime. Die, immer offener faschistoid auftretende AfD zieht in die Parlamente ein. Währenddessen schieben CDU/CSU, SPD und Co. massenhaft Menschen ab, teilweise in den sicheren Tod.
Eine besondere Manifestation rechter und rechtsradikaler Tendenzen an der Uni sind Studentenverbindungen, im Speziellen Burschenschaften. DIese können als interlektuelle Keimzelle des modernen Rechtsradikalismus angesehen werden. Diesen stellen wir uns als SDS entschieden entgegen. Es ist unerlässlich, dass auch die Studierendenschaft und speziell der AStA antifaschistische Arbeit unterstützt und durchführt.
Dabei ist Antifaschismus nicht nur Theorie, sondern muss auch praktisch werden! Was nützen uns lange Debatten um Faschismustehorien, wenn niemand die nächste NPD oder AfD-Demo verhindert? Uns ist es wichtig hier Widerstand zu leisten, um den Faschisten keinen Raum zuzubilligen. Die jüngsten Demonstarionen in Marburg haben in überwältigender Weise gezeigt, dass ein Großteil der Marburger*innen die Faschist*innen hier nicht haben will. Ein weiteres Problem ist, dass faschistische und rechte Strömungen eine aktive Kritik an feministischer Forschung und Gleichstellungsnaßnahmen betreiben. Sie behaupten, dass diese eine gesellschaftliche Spaltung verursachen und zu "Männerdiskriminierung" beitragen würde. Bestehende Macht- und Herrschaftsverhältnisse entlang von Klasse, "Rasse" und Geschlecht sollen auf diese Weise aufrecht erhalten werden. Solchen Behauptungen müssen wir uns entgegenstellen, um die Errungenschaften von Feminist*innen auch weiterhin würdigen und ausbauen zu können.

Breiteres Angebot der Mensa: vegetarisch, vegan, halal, regional, saisonal

In den letzten Monaten sind die Preise für das Essen in der Mensa wieder massiv gestiegen. Dies widerspricht der Aufgabe des StudWerks kostengünstiges Essen für alle Studierenden bereitzustellen. Regelmäßige warme Mahlzeiten sind wichtig, um das Studium überhaupt in angemessener Weise bewältigen zu können. Daher ist es absolut inakzeptabel, dass gerade für die ärmeren Studis, die trotzdem für das StudWerk bezahlen müssen, das Essen häufig schon zu teuer geworden ist und sie auf Konserven ausweichen müssen! 
Des Weiteren ist es im Sinne eines ökologisch-nachhaltigen Angebots notwendig den Gebrauch tierischer Lebensmittel zu senken sowie auf ein regionales und saisonales Angebot auszuweichen. Denn der Import von Lebensmitteln und die Fleischproduktion tragen maßgeblich dazu bei, Ressourcen wie Wasser und Land zu verschwenden. Zudem schließt das eingeschränkte Angebot vegan und vegetarisch lebende Studierende aus. Damit einher geht der Gebrauch von Einwegprodukten, den wir entschieden ablehnen. Es ist seit Langem kein Geheimnis mehr, dass Wekwerfprodukte einen riesigen Berg Müll hinterlassen, den es zu reduzieren gilt. 
Ein inklusives StudWerk muss sich seiner Verantwortung für Studierende sowie für Umwelt und Natur bewusst sein und aktiv in diese Richtung hinsteuern.

Freiräume für Menschen und ihre Ideen

Für die einen sind es ungenutzte Kapitalanlagen, für uns sind es Möglichkeiten zur kreativen Entfaltung. Freiräume welcher Art auch immer, seien es Offene Häuser, Alternative Zentren oder großzügige Grünflächen regen zum Phantasieren, Ausprobieren und Anpacken an. Egal ob Du Vorträge gestalten, coole Partys schmeißen, oder Konzerte auf die Beine stellen willst - solche Freiräume machen es meist ohne großen finanziellen Aufwand möglich. Gleichzeitig sind sie Schutzräume für Menschen, die ihre Identitäten fernab gesellschaftlicher Diskriminierung ausleben wollen. Doch die jüngsten Monate haben gezeigt, dass alternative Freiräume durch die Interessen einflussreicher Investoren bedroht werden. Freiräume wie das Havanna 8 fielen ebensolchen zum Opfer - solche, die nun ein Verfahren wegen Immobilien- und Kreditbetrugs erwartet. Auch freie Flächen am Café Trauma sollen für die Errichtung eines teuren Seniorenheims an reiche Privatpersonen verkauft werden. Es wird von Seiten der Stadt nicht einmal der Versuch einer generationenübergreifenden Kooperation geäußert. Solchen Hütchenspieler-Tricks wollen wir nicht weiter zusehen! Inklusive Veranstaltungsreihen wie das Bildungsfest an den Lahnwiesen haben auf beste Weise gezeigt, was passiert, wenn Menschen sich frei ausleben können. Sie tragen zu einem positiveren und offeneren Stadt- und Universitätsbild bei. Wir als SDS wollen aktiv dazu beitragen und solche Freiräume erhalten und ausbauen.

Mehr Mitbestimmung für Studierende

Seit vielen Jahren engagieren sich Studierende in Hessen und weltweit für Mitsprache an den universitären Entscheidungen. Dabei engagieren wir uns gegen die neoliberale Umgestaltung zur "Unternehmerischen Hochschule", in welcher Präsidien und Wirtschaftsvertreter enorme Macht bekommen. Dies lehnen wir ab. Um ein emanzipiertes Studium zu ermöglichen, muss die Autonomie der Hochschule gestärkt werden. Die Studierendenschaft bedarf bei wichtigen Entscheidungen, wie der Budgetverteilung und der Besetztung von Professuren mehr Mitbestimmungsrechte. Die Universität muss zu einem demokratischen Ort des freien, solidarischen und intellektuellen Austauschs von Studierenden und Lehrenden werden! Dafür wollen wir auch in StuPa und Senat kämpfen!
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